Archiv der Kategorie: 3. Dr Schorsch vrzählt

Nr. 237: Dr Schorsch vrzählt vom 9. Mai 2020

Dr Schorsch vrzählt seit 21. Februar 2015 jeden Samschtich en der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung.

Basset uff, am Mondich wird’s wiedr dramatisch. Noi, dr Schorsch hât, Gott sei Dank, koine epidemiologische Vorhersehonga. Am Mondich übrnemmat dia Eisheilige wiedr s’Kommando, grad, wenn mir sich an dene viele, scheene seelaschmeichelnde Blüta erfeua will. Recht wichtig en dene Zeita. Dr erschte von dene gestrengen Herren, dr Mamertus (Bischof von Vienne), soll am 11. Mai an Temperatursturz von mendestens zehn Grad em Gepäck hann, wenn mr dene Wettrvoraussaga glauba kâ. Wobei, ond des kâ sich dr Schorsch au heut’ net verkneifa, wia mr fascht älle Tag seha kâ, isch des mit de Prognosa so a Sach’. Sicher isch abr, vom 12. bis 14. Mai bsuchat ons nâ Pankratius, Servatius ond Bonifatius. Wenn nâ die kalt’ Sophie – a frühchristliche Märtyrin ond Muttr von drei gweihte Jongfraua – am nächschta Donnerstag kommt, nâ isch’s hoffentlich rom mit dene fröschtelnda Tag.

Recht bemerkenswert isch en dem Jâhr, dass dia Eisheilige so pünktlich, wia scho lange nemma, kommat. Weil, dia alte Bauraregla beziegat sich uff dr Julianische Kalendr, ond so henn sich eigentlich dia Data seit dr Gregorianische Kalendrreform em Jâhr 1582 zemlich nâch henta vrschoba – eigentlich so om dr 20. Mai rom. Was letztendlich scho onsre Vorfahra aus Erfahrong gwisst henn, des könnat heutzutag dia Wetterkundlr meterologisch erklära: Ab Âfang Mai erwärmt sich nämlich dr europäische Kontinent zemlich. Des Meer abr, wird langsamr wärmer ond so gibt’s an Tiefdruck, dr eiskalte Luft vom Polargebiet zu ond druckt.

Trotzdem a guate Woch’ ond em Herrgot sein Sega

Nr. 234: Dr Schorsch verzählt vom 11. April 2020

Dr Schorsch vrzählt seit 21. Februar 2015 jeden Samschtich en der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung.

En dr aktuella „Käfighaltung“ send mir jâ zur kompletta Entschleunigong vrdammt. Irgendwia au schee. Bloss manchmâl wird mr nâ scho au uff a ganz extrema Prob‘ gstellt. Dass mr beim Bäckr mit dem gehöriga Abstand von a bissle mehr wia oin Meter ond fuffzig Zentimeter wartet, ond dâbei gelegentlich bis weit uff Strâß‘ naus stâht, des ghört jetzt zur Normalität. Mr nemmt sich also Zeit, wenn mr sich a paar Brezla als vormittäglicha Lebenshöheponkt gönna will. Mit dr Entschleunigong wird‘s nâ abr scho recht schwierig, wenn mr nâ endlich en zwoitr Reih‘ em Lädle (emmerno konsequent mit a bissle mehr wia oin Meter ond fuffzig Zentimeter) wartet, dass mr sei Begehr an Backwara uffgeba därf. Mit größtem Interesse an dr Beschaffenheit von dene ondrschiedliche Weckla ond anderem Backwerk em omfängliche Âgebot, fraget jetzt dia zwoi Kunda, dia no vor oim send, bei dene bedauernswerte Verkäuferinna nâch.

Di Entdscheidong isch schwer: Soll mr jetzt a Laugaweckle nemma odr doch liabr a Laugastengle odr etwa am Besta doch dia Brezla? Ond wia sieht‘s mit dene Kürbiskern-Brötla aus, odr doch liabr a Mehrkorn-Weckle beziehungsweis‘ gar a Rogga- odr Dinkel-Vollkorn-Brötle?

Mr merkt, mr macht sich dia Entscheidong net leicht, so gega 9 Uhr. Des älles will wohl übrlegt sei. Am Schorsch sei Hochachtong für den Langmut von dene Verkäuferina steigt von Minute zu Minut‘ ens Ohermessliche. Am Schorsch sei Entschleunigong gâht in dera Zeit zunehmens (ond expotenziell, des isch jâ zurzeit so a viel vrwendeets Wort) dr Bach na. „Herr schenk mir Geduld – abr schnell“, so sei ennerlichs Stoßgebet nâch oba. Braucht‘s jetzt wirklich dia zwoi Brezla, odr dät‘s net au no dr Brotriebl von geschtern?

 gute Woch‘ bleibat gsond (ond entschleunigt) ond em Herrgott sein Sega.

Nr. 233: Dr Schorsch vrzählt vom 21. März 2020

Dr Schorsch vrzählt seit 21. Februar 2015 jeden Samschtich en der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung.

Am Schorsch isch langweilig. Er hockt drhoim ond scho jetzt isch gnuag mit ausruha. Ond plötzlich fällt oim ei, was mr eigentlich schon lang hät doa solla. Zugeba, s’isch net grad s’schönschte Gschäft am Waschbecka a neue Syphon einzombau, weil dr alte schon seit Monat drialt. Es isch au net bsonders erbaulich uff am Carport rom zom turna, weil vor a paar Wocha di „Sabine“ d’Dachbappa rontergrissa hât ond seither s’Autole bei Rega soichnass wird. Als nächstes steht jetzt dr Schreibtisch â, auf dem sich Diverses au schon seit längerer Zeit hochtürmt. Des send älles net grad dia Lieblingsbeschäftigonga vom Schorsch, abr jetzt hat mr halt Zeit drfür. Ond so hât doch tatsächlich di Drhoim-Hockerei au ebbes guats.

 guate Woch’. bleibat gsond ond em Herrgott sein Sega.

Nr. 232: Dr Schorsch vrzählt vom 14. März 2020

Dr Schorsch vrzählt seit 21. Februar 2015 jeden Samschtich en der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung.

Bekanntlich isch dr Schorsch jâ em alluminium-blonda Altr âkomma, ond ghört jetzt scheint’s auch zur bsonders Coronavirus gefährdeta Generation. Ond deshalb muss ihm au di Überlegong erlaubt sei. Die scheint’s zehmlich übrforderte Kanzlere hât doch jetzt tätsächlich gsagt, mir sollet onsere soziale Kontakte einstella, om onsere Alte – also au dr Schorsch – zom schütza. Heidanei, des isch âmol a Deng. Jetzt hauat doch tatsächlich onsre politisch Vrantwortliche onsere Grondpfeiler onsere Gesellschaft zamma.

Dr extremgfärdete Schorsch will net seine soziale Kontakte uffgeba. Er will net alloi drhoim hocka ond warte bis ihn vielleicht trotzdem dr Coronavirus vrwischt. Er will sich weiter om sei weitvrstreute Familie kümmra.

A guate (wenigr uffgregte) Woch’ ond em Herrgott sein Sega.

Nr. 231: Dr Schorsch vrzählt vom 15. Februar 2020

Dr Schorsch vrzählt seit 21. Februar 2015 jeden Samschtich en der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung.

Ja dâ haut’s oim doch dr Vogl naus. A wissaschaftliche Studie vom „National Bureau of Economic Research“ in de USA hât sich drmit beschäftigt, ob Dialektschwätzer in Deutschland uff am Arbeitsmarkt benâchteiligt send. Wichtig isch dene Wissaschaftler gwä, dass di Befrâgong in de Privathaushalt’ repräsentativ isch, ond sia hend so wia’s scheint auch mit onderschiedliche Modell mögliche Eiflüss’ wia „kognitive Fähigkeiten oder eine geringere Bildung“ ausgeschlossa.

Des Ergebnis isch schlicht ond oifach ohfassbar, ond mit nex uff dr Welt zom rechtfertiga: Leut’ mit ma starka regionale Akzent, verdienat em Schnitt tatsächlich 20 Prozent wenigr, wia dia, dia dr Luthersprâch âhängig send. An was liegt des? Die Forscher saget, dass dr normale Deutsche generell Mundartschwätzr für temperamentvollr ond freindlicher haltet, abr au gleichzeitig für wenigr gebildet. Des dät drzua führa, dass Dialektschwätzr beruflich uffsteigat. Ja, wo semmer denn eigentlich.

Dr Schorsch denkt sich jetzt, s’wird allerhöchschte Zeit, dass sich älle Dialektschwätzer zsammaschließat, ond idealerweis’ – am Sonntich nâch dr Kirch’ – beim „Sonntag für Mundart“ uff Strâß ganget. Dene „Schnellschwätzr“ muas mr doch âmol Paroli biata. Letztendlich send mir Mundartler doch a Menge Leut’. So gibt’s en Deutschland emmerhin 58 unterschiedliche Dialekt, laut dr „Welt“. A bissle beruhigt oin, dass bei der Studie grad’ amol 950 Leut befrâgt worda send, ond von dene bloss zwölf Prozent zu den Dialektschwätzr ghörat. Abr grondsätzlich gilt, mr sot oifach schon de Âfäng’ von Diskriminierong wehra.

 guate Woch’ ond em Herrgott sein Sega.

Nr. 230: Dr Schorsch vrzählt vom 8. Februar 2020

Dr Schorsch vrzählt seit 21. Februar 2015 jeden Samschtich en der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung.

Helau, er duat’s scho wiedr. Bis vor fenf Jâhr isch dr Schorsch a ausgwiesanr Faschingsmuffl gwä. Vrkloidonga, Polonäsa ond rhytmische Bewogonga uff dr Tanzfläche nâch vorgegebene Regla ondr Eifluss von alkoholische Getränk’, des isch bis zom heutiga Tâg nex für ihn. Andrs sieht’s entzwischa mit am rheinischa Karneval aus. Enge familiäre Vrbendonga ens Weltkulturerbe Mittelrhein ond dia Auswirkonga vom trockena Riesling vom Boppardes Hamm, hen 2015 drzu gführt, dass sich dr Schorsch dem Kulturaustausch zwischa Schwâba ond Rheinländr hemmungslos vrpflichtet füllt – ond sich seither als „Schwäbischr Landbot’“ in dr karnevalistischa Bütt’ tummelt.

Zom fenfta Mâl steigt also dr Schorsch heut’ Âbend vor 350 Narra en di Bütt’ ond därf de Großkopfete ganz ongeniert mit giftige Reim’ so richtig dr Kopf wäsche. Ond die Zeita send jâ wirlich so närrisch, dass des am Schorsch wirklich oifach fällt.

A guate Woch’, am Herrgott sein Sega ond (ausnahmweis’) Helau.

Nr. 238: Dr Schorsch verzählt vom 1. Februar 2020

Dr Schorsch vrzählt seit 21. Februar 2015 jeden Samschtich en der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung.

Vrfallet mr oifach mâl wiedr en Panik. Mir Deutsche send scho an komisch’s Völkle. Wenn irgendwo uff dr Welt ebbes passiert, nâ bricht bei ons dr nackige Übrlebenkampf aus. Erinnera mr ons an Vogl- odr Schweingrippe, an dr Rendwahnsinn, odr au an’s Waldstreba. Emmer send mr en dia blanke Vrzweiflong ausbrocha, hend praktisch mit der menschlicha Zukonft ond mit em oigana Leba abgschlossa. Was isch seither passiert? Eigentlich nex schlemm’s. S’gibt ons emmer no, ond s’gâht ons komischr Weis’ bessr wia je zuvor.

Jetzt vrfallet mr ebba grad en di Corona-Virus-Hysterie, was tatsächlich net drzua führa wird, dass wir Deutsche ons em kollektive Siachtum von dera Welt vrabschieda werdet.

 guate Woch’ ond em Herrgott sein Sega.

Nr. 237: Dr Schorsch vrzählt vom 25. Januar 2020

Dr Schorsch vrzählt seit 21. Februar 2015 jeden Samschtich en der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung.

Er ziert s’Gsicht, übrwiegend bei de Männer. Dr Schorsch schreibt heut’ übr dr Bart. S’gibt’n jâ en älle Facette vom Drei-Tag-Bart, übr das denne Menjou-Bärtle und seim Vetter, am „Porno-Balka“, bis zom mächtig ausladenda Vollbart, der heut’ zom Teil bis ens letzschte ondolierte Barthärle drapiert isch.

Für dr Schorsch gibt’s bloss oin Bart, ond zwar den, wo mr oifach wachsa lässt. Weil des kommt am Schwâb sehr entgega. Noi, s’gâht net om dia Sparerei von Rasiersoif’, Rasierklenga odr Rasierwassr. S’gâht tatsächlich om den Gwenn an Lebenszeit. Machet mr mâl a kloine Rechnong uff. Mit etwa 16 Jâhr wächst ma Mâ an Bart ond bis zom Altr von etwa 85 muss’r sich also rond 70 Jâhr lang rasiera. Wenn mr schnell isch, nâ braucht mr rond zehn Minuta am Morga zom rasiera. Des send em Jâhr 3650 Minuta, was 60 Stond’ entspricht. Uff d’Lebenszeit spart also an Bartträgr 4205 Stond, also 175 Tag.

 guate Woch’ ond em Herrgott sein Sega.

Nr. 236: Dr Schorsch verzählt vom 18. Januar 2020

Dr Schorsch vrzählt seit 21. Februar 2015 jeden Samschtich en der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung.

S’gibt dia bsondere Moment, dia, wenn mr se vrgisst, ohwidrbrenglich dahin send. Dr Schorsch leidet a weng, weil’r geschtern Âbend kurz nâch dr Tagesschau di für den Tag bedeutende Uhrzeit 20 Uhr, 20 Minuta, 20 Sekonda em Jâhr 2020 – also 20.20:20 2020 – net bewusst genossa hât. Ach je. Bloss, mr muss au des Positive erkenna: Weil Diesjâhr a Schaltjahr isch hât’r no 348 Mâl di Chance, an dem Moment teilhaftig zu werda ond inne zom halta.

Wia wichtig dia Moment’ send, zeigt sich en dr Notwendigkeit, dass mr Schaltjâhr braucht. A normals Jâhr isch genau 0,24219 Tag längr wia dia überliche 365 Tag, also a bissle mehr wia an Viertel Tag. Wenn mr abr genau rechnet, nâ isch inklusiv dr Schaltjâhrrechnung dia Differenz pro Jâhr bloss no 26,739 Sekunda, ond des kennt mr laut Kalendrwissaschaftler sogar für dia nächste Jâhrtausend ondr dr Tisch falla lassa. Also tatsächlich doch bloss an Moment am Tag.

A guate Woch’ ond em Herrgott sein Sega.

Nr. 235: Dr Schorsch vrzählt vom 11. Januar 2020

Dr Schorsch vrzählt seit 21. Februar 2015 jeden Samschtich en der Bietigheimer, Sachsenheimer, Bönnigheimer Zeitung.

Am Schorsch sei Großvatr isch sei Held gwä: Er hât’s Fahrrädle repariera könna, hât Drache baut, hât erklärt, uff was mr beim Hühnrfüttra uffpasse muas, hât oin ens Gmüsgärtle mitgnomma ond hât irrsennige Gschichtla vrzähle könne, au von wahrlich net scheene Zeita. Jetzt isch dr Schorsch selbr Großvatr, ond was passiert grad? Der gegaseitige Respekt ond Wertschätzong zwischa de Generationa ond des Profitiara vonanandr wird von einige – von wem au emmer em Denka ohredlich manipulierte – Jugendliche oifach hegmacht. Dia Alte machet also dia Welt he, liaget bloss no als kostspielige Renter dr arbeitenda Generation uff dr Tasch’ ond machet anscheint’s so dr Jugend dia Zukunft kaputt. Ond was machet dia Alte wirklich? Sie haltet bei älle Vorwürf’ d’Gosch. Weil se genau wissat, wenn se die Lebensleistong ihrer Generation offensiv benenna dätet, würdet se in dr heutiga Social-Media-Fake-News-Welt mit denne agressiva Jugend-Messias dr Kürzere zieha. Schad’, dass dia Jonge nemme zuhorcha wellet, weil se au ohne eigene Lebenserfahrong dia Weißheit mit sprichwörtlich’ große Löffel gfressa hen.

A guate Woch’ ond em Herrgott sein Sega.